Warum die Fallzahlen im Klinikführer Rheinland von denen im Qualitätsbericht abweichen.
Durch die Nutzung der sog. Klinischen Leistungsgruppen (KLG) weichen die Fallzahlen im Klinikführer Rheinland von den im Qualitätsbericht genannten Fallzahlen ab.

Der Klinikführer Rheinland wurde vom Krankenhauszweckverband Rheinland e. V. (KHZV) im Auftrag seiner 165 Mitgliedskrankenhäuser mit dem Ziel konzipiert, die Leistungs- und Serviceangebote der Krankenhäuser sowie die Ergebnisse der externen Qualitätssicherung transparent und vergleichend in einer Form darzustellen, die auch für den medizinischen Laien verständlich ist. Aus unserer Sicht ist eine hohe Laienverständlichkeit mit G-DRG-Statistiken oder ICD- und OPS-Listen, wie sie im gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsbericht verwendet werden, nicht erreichbar.

Das DRG-System wurde in erster Linie für Abrechnungszwecke entwickelt und nicht für die Darstellung und Steuerung von medizinischen Leistungen. Auch die ICD-Diagnosenklassifikation und die OPS-Prozedurenklassifikation sind äußerst umfangreich und erlauben es meistens nicht, Leistungen sinnvoll in eine gemeinsame und für den Nutzer verständliche Gruppe zu integrieren. Gerade der Patientenorientierung ist jedoch ein immer größerer Raum einzuräumen. Qualitätsinformationen müssen patientenverständlich aufbereitet werden, da sie sonst nur von geringem Wert sind. An der Darstellung über ICD/OPS gab es viel Kritik.

Vor diesem Hintergrund hat die DRG Research Group am Universitätsklinikum Münster schon vor einiger Zeit die so genannten Klinischen Leistungsgruppen (KLG) entwickelt. Sie umfassen jeweils Leistungen, die aus medizinischer, nicht aus ökonomischer Sicht zusammengehören. Dieses Klassifikationssystem nutzt der KHZV seit längerer Zeit zur internen Leistungsdarstellung. Mit den Klinischen Leistungsgruppen verbessert sich nicht nur die Kommunikation mit den Ärztinnen und Ärzten im eigenen Krankenhaus, sondern auch mit außen stehenden Adressaten.

Für den Einsatz dieser Klinischen Leistungsgruppen im Klinikführer erfolgte eine deutliche überarbeitung, um die Laienverständlichkeit sicherstellen zu können. So wird nicht mehr zwangsläufig jedem Patienten genau eine Leistung zugeordnet; vielmehr besteht die Möglichkeit, auch bei einem Patienten mehrere relevante Leistungen zu berücksichtigten (z. B. Herzkatheter und Herzoperation in einem Aufenthalt). Damit werden gerade die an den Universitätskliniken überdurchschnittlich häufig vorkommenden interdisziplinären Leistungen viel sachgerechter dargestellt, als wenn ein Patient nur einer einzigen Leistungsgruppe (DRG) zugeordnet wird, obwohl verschiedene relevante Leistungen im selben Aufenthalt erbracht wurden. Jährlich rund 1,8 Mio. Patientendatensätze können auf diesem Weg den Klinischen Leistungsgruppen zugeordnet werden und bilden die Grundlage für die Leistungsdarstellung im Klinikführer Rheinland.

Neben der hohen Aktualität liegt nach unserer Einschätzung eine der besonderen Stärken des Klinikführers auf der Vollständigkeit der Daten. Da auf der Basis des § 21-Datensatzes (ergänzt um psychiatrische Patienten) die Informationen aller stationär im Krankenhaus behandelten Patienten vorliegen, fließen auch die Daten aller Patienten in die Ergebnisse ein. In den Qualitätsberichten stehen nur die jeweils Top 80 Prozent Diagnosen und Prozeduren pro Fachabteilung zur Verfügung, die Möglichkeit der Verknüpfung von Diagnosen und Behandlungsprozeduren besteht nicht.

Im Klinikführer Rheinland erfolgt jedoch genau diese Verknüpfung. So ist es aufgrund des Fallbezuges der Daten möglich, eine Leistung wie „Bösartige Erkrankungen der weiblichen Brust mit Operation“ auszuweisen. Während in den Daten des Qualitätsberichtes lediglich eine Ausweisung der bösartigen Erkrankungen der Brust unabhängig vom Behandlungsverfahren (konservativ oder Operation) vorgesehen ist, wird also im Klinikführer die Verbindung von Diagnose und Therapie hergestellt. Dadurch kann der Nutzer nachvollziehen, ob die Operationen an der Brust bei gutartigen und/oder bei bösartigen Erkrankungen erfolgten.